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Trösel
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Contents

‱ Geographie
‱ Geschichte
‱ Wappen
‱ Verkehr
‱ Literatur
‱ Weblinks
‱ Anmerkungen

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Geographie

Trösel liegt im Odenwald ca. 15 km sĂŒdöstlich von Heppenheim und 2,5 km östlich der Gemeindeverwaltung in Unter-Flockenbach am Grundelbach. Der Grundelbach entspringt sĂŒdlich von Oberflockenbach und durchfließt die Ortsteile von Gorxheimertal, bevor er in Weinheim in die Weschnitz mĂŒndet. Das Gebiet des Ortsteils besteht aus der Gemarkung Trösel mit einer FlĂ€che von 528 Hektarcite-ref-gindex-1-2[1], davon sind 223 Hektar Wald.cite-ref-lagis-2-0[2] Die Gemarkung reicht im SĂŒden hinter dem Daumberg (462 Meter) bis an die Landesgrenze zwischen Hessen und Baden-WĂŒrttemberg. Die Ortslage befindet sich auf 216 bis 300 m ĂŒ. NHN und der höchste Punkt der Gemarkung ist mit 500 m Richtung Waldskopf im Nordosten der Gemarkung. In der Gemarkung liegt der Weiler Kundenbach.cite-ref-3[3]

An den Ortsteil Trösel grenzen, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn, die Birkenauer Ortsteile Buchklingen und Löhrbach, im Osten der Abtsteinacher Ortsteil Unter-Abtsteinach. Im SĂŒden die Weinheimer Stadtteile WĂŒnschmichelbach und Oberflockenbach. Im Westen Goxheimertal-Unter-Flockenbach. Durch den Ort verlĂ€uft die Landesstraße, die von Weinheim ĂŒber Gorxheim kommend ĂŒber Trösel weiter nach Unter-Abtsteinach verlĂ€uft. In der Ortslage zweigen die Kreisstraßen K 17 nach SĂŒden zu den Weinheimer Stadtteilen Steinklingen ab.

Geschichte

Von den AnfÀngen bis zum 18. Jahrhundert

Trösel entstand im Gebiet der ehemaligen Mark Heppenheim, einem Verwaltungsbezirk des Frankenreichs. Am 20. Januar 773 schenkte Karl der Große den Ort Heppenheim nebst der ausgedehnten Mark Heppenheim, dem Reichskloster Lorsch. Von hier wurde die Urbarmachung und Besiedlung des Gebietes betrieben. Der BlĂŒtezeit des Klosters Lorsch, in dessen Gebiet Trösel lag, folgte im 11. und 12. Jahrhundert sein Niedergang. 1232 wurde das Kloster dem Erzbistum Mainz unterstellt. 1461 verpfĂ€ndet Kurmainz infolge der Mainzer Stiftsfehde diese Besitzungen an die Kurpfalz. Diese wechselte 1556 zum protestantischen Glauben und hob 1564 das Kloster auf.

Die erste urkundliche ErwĂ€hnung des Ortes findet sich 1071 als Dresla im Lorscher Codex, einem Besitzverzeichnis der Abtei Lorsch, als König Ludwig der Bayer dem Kloster AltenmĂŒnster bei Lorsch den Besitz der MĂŒhle zu Dresla bestĂ€tigte.cite-ref-lagis-2-1[2] Das Kloster Lorsch besaß zu dieser Zeit 8 Huben in Trösel.

1232 unterstellte Kaiser Friedrich II. die Reichsabtei Lorsch dem Erzbistum Mainz und seinem Bischof Siegfried III. von Eppstein zur Reform. Die Benediktiner widersetzten sich der angeordneten Reform und mussten deshalb die Abtei verlassen. Sie wurden durch Zisterzienser aus dem Kloster Eberbach und diese 1248 durch PrĂ€monstratenser aus dem Kloster Allerheiligen ersetzt. Von diesem Zeitpunkt an wurde das Kloster als Propstei weitergefĂŒhrt.

1267 wird erstmals ein Burggraf auf der Starkenburg (ĂŒber Heppenheim) genannt, der auch das „Amt Starkenburg“, zu dem Trösel zĂ€hlte, verwaltete. Die „VormĂŒnder“ des Erzstifts Mainz verkauften 1347 das Dorf an den Ritter Anselm von Hemsbach. Wie lange es in dessen Besitz war, ist nicht belegt.

Im Verlauf der fĂŒr Kurmainz verhĂ€ngnisvollen Mainzer Stiftsfehde wurde das Amt Starkenburg an Kurpfalz wiedereinlöslich verpfĂ€ndet und blieb anschließend fĂŒr 160 Jahre pfĂ€lzisch. Pfalzgraf Friedrich ließ sich fĂŒr seine UnterstĂŒtzung von Erzbischof Dieter – im durch die KurfĂŒrsten am 19. November 1461 geschlossenen „Weinheimer Bund“ – das „Amt Starkenburg“ verpfĂ€nden, wobei Kurmainz das Recht erhielt, das Pfand fĂŒr 100.000 Pfund wieder einzulösen.

Aus dem Jahr 1480 wird berichtet, dass das Dorf jĂ€hrlich 19 Pfund und 10 Schillinge an die Kellerei zu Heppenheim abzufĂŒhren hatte, ebenso 16 fl. vom „kleinen Zehnten“.cite-ref-wm-4-0[4]

In den AnfĂ€ngen der Reformation sympathisierten die pfĂ€lzischen Herrscher offen mit dem lutherischen Glauben, aber erst unter Ottheinrich (KurfĂŒrst von 1556 bis 1559) erfolgte der offizielle Übergang zur lutherischen Lehre. Danach wechselten seine Nachfolger und gezwungenermaßen auch die Bevölkerung mehrfach zwischen der lutherischen, reformierten und calvinistischen Religion. Als Folge der Reformation hob die Kurpfalz 1564 das Kloster Lorsch auf. Die bestehenden Rechte wie Zehnten, Grundzinsen, GĂŒlten und GefĂ€lle des Klosters wurden fortan durch die „Oberschaffnerei Lorsch“ wahrgenommen und verwaltet.cite-ref-5[5]

Als Gericht und untergeordnete Verwaltungseinheit entwickelte sich die Zent Abtsteinach, deren Àlteste erhalten gebliebene Beschreibung aus dem Jahr 1590 stammt und in der Trösel bereits erwÀhnt wurde.

Im Laufe des DreißigjĂ€hrigen Krieges (1618–1648) eroberten spanische Truppen der „Katholischen Liga“ die Region und stellten damit 1623 die Kurmainzer Herrschaft wieder her. Dadurch wurde die durch die Pfalzgrafen eingefĂŒhrte Reformation weitgehend wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht und die Bevölkerung musste wieder zum katholischen Glauben zurĂŒckkehren. Zwar zogen sich die spanischen Truppen nach 10 Jahren vor den anrĂŒckenden Schweden zurĂŒck, aber nach der katastrophalen Niederlage der Evangelischen in der Nördlingen 1634 verließen auch die Schweden die Bergstraße und mit dem Schwedisch-Französischen Krieg begann ab 1635 das blutigste Kapitel des DreißigjĂ€hrigen Krieges. Aus der Region berichten die Chronisten aus jener Zeit: „Pest und Hunger wĂŒten im Land und dezimieren die Bevölkerung, sodass die Dörfer öfters völlig leer stehen“. Mit dem WestfĂ€lischen Frieden von 1648 wurde die Einlösung der Pfandschaft endgĂŒltig festgeschrieben.

1658 ließ der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn in Ober-Abtsteinach eine dem heiligen Bonifatius geweihte Kirche errichten, zu deren Pfarrei 23 Orte gehörten und die die einzige Kirche der gesamten Zent Abtsteinach war und zum „BergstrĂ€ĂŸer Landkapitel“ zĂ€hlte.cite-ref-wm-4-1[4]

Aus dem Jahr 1654 ist der Nachweis erhalten, dass alle „CentmĂ€nner“ Leibeigene von Kurmainz waren. Außerdem ist ĂŒberliefert, dass Trösel aus 16 Huben bestand und dass die Orte Trösel und Löhrbach bezĂŒglich der „Niederen Gerichtsbarkeit“ ein gemeinsames „Ganzes Gericht“ unterhielten. Vom Zehnten fielen in diesem Jahr 2⁄3 an die Kellerei zu Heppenheim und 1⁄3 an das Domkapitel zu Mainz; den „kleinen Zehnten“ erhielt der Pfarrer von Weinheim.cite-ref-wm-4-2[4]

Als es 1782 zu einer Umstrukturierung im Bereich des Kurmainzer Amtes Starkenburg kam, wurde der Bereich des Amtes in die vier untergeordneten Amtsvogteien Heppenheim, Bensheim, Lorsch und FĂŒrth aufgeteilt und das Amt in Oberamt umbenannt. Die Zente FĂŒrth, Mörlenbach und Abtsteinach, wo Trösel lag, wurden der Amtsvogtei FĂŒrth unterstellt und mussten ihre Befugnisse weitgehend abgeben. Zwar blieb die Zentordnung mit dem Zentschultheißen formal bestehen, dieser konnte jedoch nur noch die Anordnungen der ĂŒbergeordneten Behörden (Oberamt Starkenburg, Unteramt FĂŒrth) ausfĂŒhren. Das „Oberamt Starkenburg“ gehörte verwaltungsmĂ€ĂŸig zum „Unteren Erzstift“ des KurfĂŒrstentums Mainz.cite-ref-lagis-2-2[2]

Vom 19. Jahrhundert bis heute

Trösel wird hessisch

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachte Europa weitreichende Änderungen. Als Folge der Napoleonischen Kriege wurde bereits 1797 das „Linke Rheinufer“ und damit der linksrheinische Teil von Kurmainz durch Frankreich annektiert. In seiner letzten Sitzung verabschiedete im Februar 1803 der ImmerwĂ€hrende Reichstag in Regensburg den Reichsdeputationshauptschluss, der die Bestimmungen des Friedens von Luneville umsetzte, und die territorialen VerhĂ€ltnisse im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) neu regelte. Dabei erhielt die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, als Ausgleich fĂŒr verlorene linksrheinische Gebiete, unter anderem rechts des Rheins gelegene Teile der aufgelösten FĂŒrstentĂŒmer Kurmainz, Kurpfalz und des Worms zugesprochen. Auch das Oberamt Starkenburg und mit ihm Trösel kam an Hessen-Darmstadt. Dort wurde die „Amtsvogtei FĂŒrth“ vorerst als hessisches Amt weitergefĂŒhrt, wĂ€hrend das Oberamt Starkenburg 1805 aufgelöst wurde. Die ĂŒbergeordnete Verwaltungsbehörde war der Regierungsbezirk Darmstadt, der ab 1803 auch als „FĂŒrstentum Starkenburg“ bezeichnet wurde.cite-ref-6[6]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit AusfĂŒhrungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. FĂŒr das FĂŒrstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Das Hofgericht war fĂŒr normale bĂŒrgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, fĂŒr standesherrliche Familienrechtssachen und KriminalfĂ€lle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Damit hatten die Zente und die mit ihnen verbundenen Zentgerichte endgĂŒltig ihre Funktionen eingebĂŒĂŸt.

Unter Druck NapolĂ©ons grĂŒndete sich 1806 der Rheinbund; dies geschah mit dem gleichzeitigen Reichsaustritt der Mitgliedsterritorien. Dies fĂŒhrte am 6. August 1806 zur Niederlegung der Reichskrone, womit das alte Reich aufhörte zu bestehen. Am 14. August 1806 erhob Napoleon die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, gegen deren Beitritt zum Rheinbund und Stellung hoher MilitĂ€rkontingente an Frankreich, zum Großherzogtum, andernfalls drohte er mit Invasion.

Konrad Dahl berichtet 1812 in seiner Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des FĂŒrstenthums Lorsch, oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues ĂŒber Trösel als Ort der „Zent Abtsteinach“:

„Trössel (Dresla 1071) ein Dorf mit 15 Höfen (24 HĂ€usern) 2 MahlmĂŒhlen und einer SchneidmĂŒhle an der Grundelbach mit 197 Selen. Der Ort hat einen gemeinen Wald, und ist von Absteinach nur œ Stunde entfernt.“cite-ref-dahl-7-0[7]

1812 wurde das ehemals pfÀlzische Oberamt Lindenfels aufgelöst und das bereits als Zentort bestehende Wald-Michelbach erhielt eine eigene Amtsvogtei; deren Amtsbereich wurde auch Trösel zugewiesen.cite-ref-kd-8-0[8]

Nach der endgĂŒltigen Niederlage NapolĂ©ons regelte der Wiener Kongress 1814/15 auch die territorialen VerhĂ€ltnisse fĂŒr Hessen. Daraufhin wurden 1816 im Großherzogtum Provinzen gebildet. Dabei wurde das vorher als „FĂŒrstentum Starkenburg“ bezeichnete Gebiet, das aus den sĂŒdlich des Mains gelegenen alten hessischen und den ab 1803 hinzugekommenen rechtsrheinischen Territorien bestand, in „Provinz Starkenburg“ umbenannt.

Im Jahr 1814 wurde die Leibeigenschaft im Großherzogtum aufgehoben.

Mit der am 17. Dezember 1820 eingefĂŒhrten Verfassung des Großherzogtums Hessen wurde das Land eine konstitutionelle Monarchie, in der der Großherzog aber noch große Machtbefugnisse hatte. Die noch bestehenden standesherrlichen Rechte wie Niedere Gerichtsbarkeit, Zehnten, Grundzinsen und andere GefĂ€lle blieben noch bis 1848 bestehen.

1821 wurden im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums aufgelöst und Landratsbezirke eingefĂŒhrt, wobei Trösel zum Landratsbezirk Lindenfels kam. Im Rahmen dieser Reform wurden auch Landgerichte geschaffen, die unabhĂ€ngig von der Verwaltung waren. Deren Gerichtsbezirke entsprachen in ihrem Umfang den Landratsbezirken. FĂŒr den Landratsbezirk Lindenfels war das Landgericht FĂŒrth als Gericht erster Instanz zustĂ€ndig. Diese Reform ordnete auch die Verwaltung auf Gemeindeebene neu. So war die BĂŒrgermeisterei in Oberabtsteinach fĂŒr Trösel und die Orte Buchklingen, Eichelberg (heute Eichelberger Höfe in der Gemarkung Unter-Flockenbach), Flockenbach (heute Unter-Flockenbach), Gorxheim, Kunzenbach (heute eine Siedlung in der Gemarkung Gorxheim), Löhrbach und Unterabtsteinach zustĂ€ndig. Entsprechend der Gemeindeverordnung vom 30. Juni 1821 gab es keine Einsetzungen von Schultheißen mehr, sondern einen gewĂ€hlten Ortsvorstand, der sich aus BĂŒrgermeister, Beigeordneten und Gemeinderat zusammensetzte.cite-ref-9[9]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 ĂŒber Trösel:

„Trösel (L. Bez. Lindenfels) kath. Filialdorf; liegt 3 3⁄4 St. von Lindenfels und hat 41 HĂ€user und 299 kath. Einw. Man findet 3 Mahl-, 2 Schneide- und 1 OelmĂŒhle. Im Jahr 1071 kommt der Ort unter dem Namen Tresla vor. Er war mainzisch und kam 1802 an Hessen.“cite-ref-gw-10-0[10]

1832 wurden die Verwaltungseinheiten weiter vergrĂ¶ĂŸert und es wurden Kreise geschaffen. Nach der am 20. August 1832 bekanntgegebenen Neugliederung sollte es in SĂŒd-Starkenburg kĂŒnftig nur noch die Kreise Bensheim und Lindenfels geben; der Landratsbezirk von Heppenheim sollte in den Kreis Bensheim fallen. Noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum 15. Oktober 1832 wurde diese aber dahingehend revidiert, dass statt des Kreises Lindenfels neben dem Kreis Bensheim der Kreis Heppenheim als zweiter Kreis gebildet wurde, zu dem jetzt Trösel gehörte. 1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert und der Zehnte und die Grundrenten (Einnahmen aus Grundbesitz) wurden durch ein Steuersystem ersetzt, wie es in den GrundzĂŒgen heute noch existiert.

Im Neuestes und grĂŒndlichstes alphabetisches Lexicon der sĂ€mmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten von 1845 finden sich folgender Eintrag:

„Trösel b. Lindenfels. – Kathol. Filialdorf von Abt-Steinach. 41 H. 299 kathol. E. – Großherzogth. Hessen. – Provinz Starkenburg. – Kreis Heppenheim. – Landgericht FĂŒrth. – Hofgericht Darmstadt. – Das Dorf Trösel, welches frĂŒher mainzisch gewesen und im J. 1802 an Hessen ĂŒbergegangen ist, hat 3 Mahl-, 2 Schneide- und 1 OelmĂŒhle.“cite-ref-11[11]

Infolge der MĂ€rzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz ĂŒber die VerhĂ€ltnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgĂŒltig aufgehoben.cite-ref-12[12] DarĂŒber hinaus wurden in den Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt, wobei die bisherigen Kreise Bensheim und Heppenheim zum Regierungsbezirk Heppenheim vereinigt wurden. Bereits vier Jahre spĂ€ter, im Laufe der ReaktionsĂ€ra, kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurĂŒck und Trösel wurde Teil des neu geschaffenen Kreises Lindenfels.cite-ref-13[13]

Die im Dezember 1852 aufgenommenen Bevölkerungs- und Katasterlistencite-ref-14[14] ergaben fĂŒr Tröselcite-ref-15[15]: Katholisches Filialdorf mit 361 Einwohnern. Die Gemarkung besteht aus 2114 Morgen, davon 983 Morgen Ackerland, 245 Morgen Wiesen und 868 Morgen Wald.

In den Statistiken des Großherzogtums Hessen werden, bezogen auf Dezember 1867, fĂŒr das Filialdorf Trösel eigener BĂŒrgermeisterei, 45 HĂ€user, 402 Einwohnern, der Kreis Lindenfels, das Landgericht Wald-Michelbach, die evangelische Pfarrei Birkenau mit dem Dekanat in Lindenfels und die katholische Pfarrei Ober-Abtsteinach des Dekanats Heppenheim, angegeben.cite-ref-wp-16-0[16]

1874 wurde eine Anzahl von Verwaltungsreformen beschlossen. So wurden die landesstĂ€ndige GeschĂ€ftsordnung sowie die Verwaltung der Kreise und Provinzen durch Kreis- und Provinzialtage geregelt. Die Neuregelung trat am 12. Juli 1874 in Kraft und verfĂŒgte auch die Auflösung der Kreise Lindenfels und Wimpfen und die Wiedereingliederung Trösels in den Kreis Heppenheim.cite-ref-17[17]

Zeit der Weltkriege

Im Jahr 1927 wurde GemarkungsgrĂ¶ĂŸe mit 528.4 ha angegeben.cite-ref-wm-4-3[4]

Die hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurden 1937 nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage aufgehoben. Zum 1. November 1938 trat dann eine umfassende Gebietsreform auf Kreisebene in Kraft. In der ehemaligen Provinz Starkenburg war der Kreis Bensheim besonders betroffen, da er aufgelöst und zum grĂ¶ĂŸten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen wurde. Der Kreis Heppenheim ĂŒbernahm auch die Rechtsnachfolge des Kreises Bensheim und erhielt den neuen Namen Landkreis Bergstraße.cite-ref-18[18]cite-ref-lagis-2-3[2]

Nachkriegszeit und Gegenwart

Wie die Einwohnerzahlen von 1939 bis 1950 zeigen, hatte auch Trösel nach dem Krieg FlĂŒchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten zu verkraften.

Im Jahr 1961 wurde die GemarkungsgrĂ¶ĂŸe mit 528 ha angegeben, davon waren 223 ha Wald.cite-ref-lagis-2-4[2]

Zum 31. Dezember 1970 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen der freiwillige Zusammenschluss von Unter-Flockenbach und Gorxheim zur Gemeinde Grundelbachtal.cite-ref-19[19] Zum 31. Dezember 1971 erfolgte dann die GrĂŒndung der Gemeinde Gorxheimertal aus Grundbachtal und der Gemeinde Trösel mit den Ortsteilen Gorxheim, Unter-Flockenbach und Trösel.cite-ref-dez-1071-20-0[20] Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht eingerichtet. Der erste BĂŒrgermeister war Adam FlĂ¶ĂŸer.cite-ref-21[21] Das Gemeindewappen der ehemaligen Gemeinde Trösel wurde auf die Gemeinde Gorxheimertal ĂŒbertragen.

1977 erfolgte die Einweihung des kommunalen Kindergartens in Trösel, und 1989 wurde die Hauptschule Trösel infolge eines Kreistagsbeschlusses geschlossen.

Gerichtszugehörigkeit in Hessen

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit AusfĂŒhrungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. FĂŒr das FĂŒrstentum Starkenburg wurde das Hofgericht Darmstadt als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde weiter durch Ämter, Standesherren und Patrimonialgerichte wahrgenommen. FĂŒr Trösel war das Amt FĂŒrth zustĂ€ndig, ab 1813 dann das neu gebildete Justizamt in FĂŒrth. Das Hofgericht war fĂŒr normale bĂŒrgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, fĂŒr standesherrliche Familienrechtssachen und KriminalfĂ€lle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit Einrichtung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht FĂŒrth als Gericht erster Instanz fĂŒr Trösel zustĂ€ndig. 1853 wurde aus dessen Gerichtsbezirk ein neuer Landgerichtsbezirk ausgegliedert, das Landgericht Waldmichelbach, zu dem nun auch Trösel gehörte.cite-ref-22[22]

AnlĂ€sslich der EinfĂŒhrung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, wĂ€hrend die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, wurde das Amtsgericht Wald-Michelbach im Bezirk des Landgerichts Darmstadt zustĂ€ndig.cite-ref-23[23]

1943 wurde der Amtsgerichtsbezirk Wald-Michelbach kriegsbedingt vorĂŒbergehend aufgelöst, dem Amtsgericht FĂŒrth zugeordnet und von dort als Zweigstelle gefĂŒhrt.cite-ref-24[24] Dies wurde nach dem Krieg wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Zum 1. Juli 1968 wurde dann das Amtsgericht Wald-Michelbach aufgelöst,cite-ref-25[25] womit Trösel wieder und endgĂŒltig in die ZustĂ€ndigkeit des Amtsgerichts FĂŒrth kam.

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,cite-ref-26[Anm. 1] denen Trösel angehört(e):cite-ref-lagis-2-5[2]cite-ref-27[26]cite-ref-28[27]

‱ vor 1782: Heiliges Römisches Reich, KurfĂŒrstentum Mainz, Amt Starkenburg (1461–1650 an Kurpfalz verpfĂ€ndet), Zent Abtsteinach
‱ ab 1782: Heiliges Römisches Reich, KurfĂŒrstentum Mainz, Unteres Erzstift, Oberamt Starkenburg, Amtsvogtei FĂŒrth
‱ ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, FĂŒrstentum Starkenburg, Amt FĂŒrth
‱ ab 1806: Großherzogtum Hessen, FĂŒrstentum Starkenburg, Amt FĂŒrthcite-ref-ew1806-29-0[28]
‱ ab 1812: Großherzogtum Hessen, FĂŒrstentum Starkenburg, Amt Waldmichelbach
‱ ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Waldmichelbach
‱ ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Lindenfelscite-ref-30[Anm. 2]
‱ ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim
‱ ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Heppenheim
‱ ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Lindenfels
‱ ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Lindenfels
‱ Ab 1874: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim
‱ ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim
‱ ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Bergstraße
‱ ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Bergstraße
‱ ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Bergstraße
‱ ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Bergstraße, Gemeinde Gorxheimertal

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung

‱ 1806: 208 Einwohner, 23 HĂ€usercite-ref-ew1806-29-1[28]
‱ 1812: 197 Seelen, 15 Höfen mit 24 HĂ€userncite-ref-dahl-7-1[7]
‱ 1829: 299 Einwohner, 41 HĂ€usercite-ref-gw-10-1[10]
‱ 1867: 402 Einwohner, 45 HĂ€usercite-ref-wp-16-1[16]

Historische Religionszugehörigkeit

‱ 1829: 299 katholische (= 100 %) Einwohnercite-ref-gw-10-2[10]
‱ 1961: 88 evangelische (= 8,22 %), 976 katholische (= 91,13 %) Einwohnercite-ref-lagis-2-7[2]

Wappen

Blasonierung: „In Rot ĂŒber einem aus gewelltem silbernen Schildfuß, von zwei blauen Streifen durchwirkt, aufsteigenden MĂŒhlrad ein silbernes Spitznagelkreuz.“cite-ref-32[30]

Das Wappen wurde der damaligen Gemeinde am 25. Mai 1971 durch den Hessischen Innenminister genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.

Das Spitznagelkreuz zeigt die frĂŒhere Zugehörigkeit des Ortes zum Kloster Lorsch, MĂŒhlrad und Wellenfuß symbolisieren das örtliche MĂŒhlenwesen am Grundelbach.

Nach dem Gemeindezusammenschluss wurde das Wappen der ehemaligen Gemeinde Trösel zum Gemeindewappen von Gorxheimertal.

Verkehr

FĂŒr den Straßenverkehr ist Trösel durch die Landesstraße L 3257 erschlossen, die in West-Ost-Richtung von Weinheim kommend, alle Ortsteile von Gorxheimertal verbindet und ĂŒber einen etwa 415 Meter hohen Bergsattel weiter nach Unter-Abtsteinach fĂŒhrt.

Literatur

‱ Konrad Dahl: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des FĂŒrstenthums Lorsch, oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues. Darmstadt 1812.
‱ Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 Oktober 1829 (online bei Google Books)
‱ Literatur ĂŒber Gorxheimertal-Trösel nach GND In: Hessische Bibliographie

Weblinks

Commons

: Trösel

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Geschichte der Gemeinde Gorxheimertal mit Trösel. (Memento vom 17. MĂ€rz 2015 im Internet Archive) In: www.gorxheimertal.de.
‱ Trösel, Landkreis Bergstraße. Historisches Ortslexikon fĂŒr Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen

cite-note-26Anm. 1. ↑ Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frĂŒhen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.
cite-note-30Anm. 2. ↑ Trennung zwischen Justiz (Landgericht FĂŒrth) und Verwaltung.

Einzelnachweise

cite-note-gindex-11. Gemarkung Trösel. In: GEOindex. Abgerufen im Februar 2025.
cite-note-lagis-22. ↑ Trösel, Landkreis Bergstraße. Historisches Ortslexikon fĂŒr Hessen. (Stand: 8. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
cite-note-33. ↑ Kundenbach, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon fĂŒr Hessen. (Stand: 6. Juli 2023). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
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cite-note-dahl-77. ↑ Johann Konrad Dahl: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des FĂŒrstenthums Lorsch oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues. Darmstadt 1812, OCLC 162251605, S. 246 (Google Buch).
cite-note-kd-88. ↑ Johann Konrad Dahl: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des FĂŒrstenthums Lorsch oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues. Darmstadt 1812, OCLC 162251605, S. 243 (Google Buch).
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